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06.06.2007
Autor cs

Kann es ein Airline-Ranking geben? (Teil 1)

Immer wieder versuchen unterschiedliche Personen, Organisationen oder Verlage die Welt der Airlines in eine Rangfolge zu pressen. Besonders beliebt ist die Rangliste nach Sicherheit - schließlich verspricht diese so ein tolles Ergebnis "die sicherste bzw. unsicherste Airline der Welt ist ...". Trotzdem fällt auf, dass die meisten so genannten Rankings wenig wirkliche Aussagekraft für den Kunden besitzen, weil eine große Menge an Zahlen, Koeffizienten und vor allem Quotienten die Verwirrung nur erhöht und nicht auflöst - auch wenn am Schluss Plätze von 1 bis X an den Rand geschrieben werden. Doch warum ist es so schwer ein Airline-Ranking zu erstellen, oder kann es gar kein Airline-Ranking geben?

Wie kommt es zu Unfällen

Flugunfälle sind die tragischen Höhepunkte im Zusammenspiel einer langen Kette vieler kleiner Zwischenfälle, die sich in allen Bereichen des Flugverkehrs - mechanisch, menschlich und technisch - ereignen können. Glücklicherweiße resultiert nicht jeder Fehler in einem Unfall. Ein Unfall kommt erst zustande wenn viele schwerwiegende Zwischenfälle im selben Moment auftreten. Es ist daher unmöglich einer Unfall-Statistik ohne Weiteres pauschal eine Voraussagekraft zuzuschreiben. Denn eine bloße, zahlenüberfüllte Unfall-Statistik missachtet, dass jeder Unfall eine ganz eigene, einmalige Charakteristik aufweist und sich somit nicht einfach in ein vorher erstelltes Muster pressen läßt.

Insgesamt kann man jedoch das Flugzeug als sehr sicheres Fortbewegungsmittel einstufen. In den USA, in denen mehr geflogen wird als in Deutschland, stellen Flugabstürze nur 2% aller Todesursachen in einem Jahr dar. Noch mehr wird die Sicherheit des Fliegens von der Tatsache gestützt, dass in einem Jahr in den USA mehr private Autofahrer ums Leben kommen, als bisher in den ganzen 60 Jahren der kommerziellen Luftfahrt in den USA.

Gleichzeitig herrscht aber für Flugzeugabstürze ein ungleich größeres öffentliches Interesse als an Autounfällen. Besonders in den Massenmedien werden Flugzeugabstürze mit Genuss in den Schlagzeilen erwähnt, sei der Ort des Unfalls noch soweit entfernt, die Airline noch so unbekannt, und die Zahl der Toten noch so gering. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Flugzeugunglücke einen Seltenheitswert besitzen und die Zahl der auf einmal getöteten Menschen durch ihre Größe viel erschreckender wirkt.

Forscher gehen davon aus, dass der Anstieg des öffentlichen Interesses an Todesopfern, die auf einmal ums Leben kommen, im Quadrat zu jenen steigt, die einen individuellen Einzeltot gestorben sind. Das bedeutet der gleichzeitige Tod von 100 Menschen bei einem Flugzeugabsturz erreicht genau so viel Beachtung wie der Einzeltot von 10000 anderen Menschen z.B. bei privaten Autofahrten.

Unfälle als Indikator?

Gerade die Betrachtung der Unfälle als Indikator für die Sicherheit einzelner Airlines oder der Luftfahrt im Allgemeinen funktioniert nur eingeschränkt. Denn gerade in der Luftfahrt, mit ihren verhältnismäßig geringen Unfallraten, kann ein einziger Unfall mit Hunderten von Todesopfern die Statistik ungemein beeinflussen. Dies konnte erst vor Kurzem beim Absturz der Concorde in Paris Mitte 2000 festgestellt werden. Zuvor galt die Concorde als das sicherste Verkehrsflugzeug der Welt. Nach dem besagten Absturz rangiert sie nunmehr auf den letzten Rängen. Dies ist auf die geringen Flugzeiten der Concorde und die hohe Anzahl von über 100 Toten zurückzuführen. Gerade diese Statistik zeigt auf, dass selbst Daten, die sich über 5, 10 oder mehr Jahre erstrecken nicht voll aussagekräftig sind und sich aufgrund eines einzelnen Absturzes in kürzester Zeit entscheidend verändern können.

Um die Unfallraten einzelner Airlines untereinander vergleichen zu können, bedarf es eines einheitlichen Maßstabs. Hier herrscht aber Uneinigkeit zwischen den Experten. Oft greift man bei solchen Vergleichen auf die Passagierkilometer zurück (Passagierzahl mal Anzahl der geflogenen Kilometer). Bei dieser Betrachtung schließt das Flugzeug sehr gut ab und ist das sicherste Verkehrsmittel. Ganz klar, denn natürlich werden mit dem Flugzeug längere Strecken (z.B. Transatlantik) mit gleichzeitig mehr Passagieren geflogen (z.B. Boeing 747 mit 400 Passagieren). Kritiker dieser Betrachtungsweise bemängeln, dass für den einzelnen Fluggast nicht zählt wie lange er fliegt, sondern einzig und allein wie oft das Flugzeug pro Flug starten oder landen muss - im Regelfall also ein Mal. Bei dieser Betrachtung der Unfallzahlen pro Flug schneidet das Flugzeug vergleichsweise schlecht ab. Die Bahn ist bei dieser Betrachtung sicherer.

Ein Grund, der für diese Betrachtungsweise spricht, liegt darin, dass die meisten Unfälle während Start und Landung passieren und es in den Flugphasen nur äußerst selten zu Unfällen kommt. Somit ist, bei dieser Betrachtung, ein Transatlantikflug genauso bewertet wie ein Zubringerflug von Augsburg nach München. Dies ist natürlich ebenfalls zu bezweifeln, da auf langen Flügen, die Maschinen viel länger einwandfrei laufen müssen, die Beanspruchungen für Material und Besatzung viel höher sind und Ähnliches mehr. Es fällt auf, dass die Frage wie die Unfallzahlen zu messen sind ein elementares Problem darstellt. Egal wie versucht wird, dies in ein Airline-Ranking einfließen zu lassen, so treten doch je nach Betrachtungsweise die genannten Fehler auf. Deshalb betrachtet man abhängig von dem was untersucht werden soll, entweder Passagierkilometer oder Anzahl der Flüge. Gerade bei unterschiedlichen Airlines variiert die Art des Reisemodus. Die Frage, ob die Airline viele Kurzstrecken oder ausschließlich Langstrecken bedient, ist hier von grundlegender Bedeutung. Ein wirklich aussagekräftiges Urteil in dieser Beziehung könnte man nur beim Vergleich der gleichen Flüge mit dem gleichen Flugzeugtyp erreichen. Dies läßt sich leider nur sehr regional und in ausgewählten Fällen erreichen.

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