Kunden-Login | Sitemap | Kontakt | Impressum
Aerosecure Warenkorb
20.06.2007
Autor ae

Mythos Kerosinablassen

Oft sieht man beim Landeanflug eines Flugzeuges Dunstfahnen von den Flügelspitzen ausgehen. Hierzu hat sich das Gerücht verbreitet, dass es sich um überschüssigen Treibstoff handelt, der vor der Landung abgelassen wird um die Brandgefahr zu verringern. Ist das wirklich wahr?

Geringeres zulässiges Landegewicht

Das Fahrwerk eines Flugzeugs wird bei der Landung stärker beansprucht als beim Start. Um Fahrwerk und Bremsen leichter bauen zu können, liegt bei Langstreckenflugzeugen, die über eine hohe Treibstoffkapazität verfügen, das höchstzulässige Landegewicht deutlich unter dem höchstzulässigen Startgewicht. Durch das geringere Gesamtgewicht lassen sich im Laufe eines Jahres pro Flugzeug hunderte Tonnen Kerosin sparen.

Wie kommt es wirklich zu Kerosinablass?

Für den Fall, dass nach dem Start technische Schwierigkeiten auftreten, die eine rasche Landung erzwingen, sind Langstrecken-Flugzeugmuster wie Airbus 330 und 340, Boeing 747, 767 und 777, DC10, MD11 und Lockheed Tristar mit Vorrichtungen ausgestattet, über die im Flug Treibstoff abgelassen werden kann. Das als „Fuel Dumping“ bezeichnete Treibstoffablassverfahren ist auf Notfälle beschränkt, bei denen keine Zeit bleibt, den überschüssigen Treibstoff zu verfliegen.

Die Deutsche Flugsicherung registriert in Deutschland etwa 50 solcher Fälle pro Jahr, wobei etwa die Hälfte auf militärische Luftfahrzeuge entfällt. Im gewerblichen Luftverkehr ergibt sich pro 30'000 Starts einmal eine Situation, die einen Treibstoffablass notwendig macht.

Was passiert bei so einem Notfall?

Die Flugsicherung weist der betroffenen Maschine einen Luftraum zu, in dem Treibstoff freigesetzt werden darf. Dies geschieht nach Möglichkeit über unbebautem Gebiet. Als Mindesthöhe sind 1'500 Meter über Grund vorgeschrieben, meist erfolgt der Treibstoffablass jedoch in vier bis acht Kilometern Höhe. Es dürfen keine geschlossenen Kreise geflogen werden und die Fluggeschwindigkeit muss mindestens 500 km/h betragen.

Wie schädlich ist das für Mensch und Natur?

Der größte Teil des durch die Auslassdüsen freigesetzten und in den Turbulenzen hinter dem Flugzeug zu einem feinen Kraftstoffnebel verwirbelten Kerosins verdampft und verbleibt in der Atmosphäre, bis er durch die Strahlungsenergie der Sonne zu Kohlendioxid und Wasser umgewandelt wird. Nur ein Bruchteil des abgelassenen Kerosins erreicht den Erdboden. Bei einem Fuel Dump in der Mindesthöhe von 1'500 Metern, bei Windstille und einer Bodentemperatur von 15°C sind es rechnerisch 8% der insgesamt abgelassenen Treibstoffmenge. Daraus lässt sich für die Mindestgeschwindigkeit von 500 km/h eine Bodenbelastung von 0,02 Gramm pro Quadratmeter ermitteln, was mengenmäßig einem Schnapsglas Kerosin verteilt auf eine Grundfläche von 1'000 Quadratmeter entspricht.

Die bei dieser modellhaften Betrachtung vorausgesetzte völlige Windstille ist unter Realbedingungen allerdings äußerst unwahrscheinlich. Bereits geringe Luftbewegungen und die damit verbundene Durchmischung der Luft bewirken, dass der freigesetzte Treibstoff praktisch vollständig verdampft, ehe er den Boden erreichen kann. Deshalb ist es bisher trotz Einsatz empfindlichster Messgeräte nicht gelungen, nach einem Fall von Fuel Dumping in Pflanzen- oder Bodenproben aus betroffenen Gebieten Verunreinigungen durch Kerosin festzustellen.

Woher kommen dann die Dunstfahnen?

Die Dunstfahnen hinter den Tragflächenkanten treten vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit auf. Dabei handelt es sich um in Luftwirbeln kondensierte Luftfeuchtigkeit, die als Nebelfahne sichtbar wird.

zurück zur Artikel-Übersicht

siehe auch:

Rechte von Fluggästen - Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung
Clickair und Vueling fusionieren
Air France: Airbus A380 Einsatz verzögert
Sicherheitsprofile zu über 250 Airlines


Die 10 ältesten Airlines
Welche Fluggesellschaften sind schon am längsten im Geschäft und fliegen heute immer noch Passagiere... mehr
Themenschwerpunkt Reisesicherheit
Auf jeder Reise, ob in den Urlaub oder geschäftlich stellt sich die Frage nach der Sicherheit des jeweiligen... mehr
Online-Tool Preis-Sicherheit-Rechner
Setzt die teuerste Airline die modernste Flotte ein und spart die billige Fluglinie bei der Flotte? mehr
SICHERHEITS-PROFIL
Unternehmens-Situation, Flotten-Analyse und Unfall-Statistik zu Air France in unserem aussagekräftigen Sicherheits-Profil

Screenshot Datenbank Airline-Sicherheitsprofil zeigen

> Was bietet ein Sicherheits-Profil?
> Sicherheitsprofil bestellen
> weitere Airlines finden
Sicherheits-Profile zu über 250 Airlines weltweit. Ihre Airline ist auch dabei! [mehr]
ARTIKEL BEWERTEN
War dieser Artikel interessant für Sie? Konnten wir Ihnen damit weiterhelfen?

Bewertung: 3.1/7.0 (195 Stimmen)

NEWSLETTER ABONNIEREN
Bleiben Sie informiert mit unserem kostenlosen, monatlichen Newsletter [direkt abonnieren]

> Was bietet der Newsletter?