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19.09.2007
Autor ae

Notlandung aus der Sicht eines Piloten

Oft hört man von Notsituationen im Flugzeug. Wie die Passagiere reagieren ist klar – in der Regel panisch und chaotisch. Doch wie gehen die Piloten mit dieser Situation um? Kann man das Verhalten in so einem Fall wirklich üben? Wir haben jemand gefragt, der es wissen muss: Georg Wolff war viele Jahre Polizeipilot und hat bei seinen zahlreichen Helikoptereinsätzen insgesamt vier Notlandungen gut überstanden.

Herr Wolff, was kann alles eine Notlandung nötig machen?

Im Grunde sind die Ursachen für eine Notsituation in der Luft nicht anders, als die Ursachen für eine gefährliche Situation im Auto. Man muss zwischen zwei Hauptursachen unterscheiden: technische Gründe – in der Regel einen Defekt am Fluggerät – und menschliche Gründe, wie Unachtsamkeit oder Fehlverhalten des Piloten.

Was geht bei so einer Notsituation im Kopf des Piloten vor?

Gehen wir mal von der Situation eines technischen Defektes am Flugzeug aus. Man bedient etwas und merkt: es funktioniert nicht! Man versucht es dann natürlich ein paar mal, aber es klappt einfach nicht. Ab da muss man abschätzen und überlegen, wie schwer das Problem ist, woran es liegen kann, ob man es irgendwie lösen oder es umgehen kann, man probiert einfach alles durch. Wenn nichts davon funktioniert oder keine Zeit mehr bleibt muss die Entscheidung kommen, ob man eine Notlandung einleitet und wo man landen möchte. Also: Passt das Gelände? Gibt es Hindernisse? In welcher Höhe bin ich noch? Und dann tut man eben sein Bestes, um alle heil nach unten zu kriegen.

War eine Ihrer Notlandungen auch mal wegen menschlichem Versagen?

Ja, aber nicht wegen mir (lacht). Einmal flog ich einen Herrn Ministerpräsident, der die Flugzeit zum Schlafen nutzte. Fünf Minuten vor der Landung sollten wir ihn wecken, damit er sich für die Kameras zurechtmachen kann. Als wir ihn weckten, versuchte er sich mit den Beinen nach oben in eine aufrechte Sitzposition zu drücken und stütze sich dabei aus Versehen mit dem Fuß gegen den Pitch (=Auftriebsregler), woraufhin wir schlagartig nach unten gerissen wurden. Das war, wie wenn dir bei 200 auf der Autobahn einer das Lenkrad um 180° rumreisst. Gottseidank war unsere Flughöhe noch hoch genug, dass ich die Maschine wieder einfangen und uns alle lebendig auf den Boden zurück bringen konnte.

Welche Notsituationen werden in der Standard-Ausbildung geübt?

In der Prüfung zum Hubschrauber Pilotenschein kommt das „Wieder Starten des Triebwerks in der Luft“ als eigener Übungsteil. Der Fluglehrer schaltet in ausreichender Höhe die Motoren ab. Problem ist jetzt, dass man den Motor nur bei einer bestimmten Temperatur anlassen darf, zu meiner Zeit waren das 180°C. Jetzt muss man so lange warten, bis diese Temperatur erreicht ist. Hier hilft einem jetzt natürlich der Luftzug beim Absturz, deswegen kühlt das Triebwerk nach dem Stillstand in der Luft schneller ab als auf der Startposition stehend.

Wie ist die Aufarbeitung nach einer Notlandung bzw. einem Unfall? Wird man psychologisch betreut?

Ich hab vier Notlandungen hinter mir und wurde damals nie irgendwie betreut. Nur ein mal musste ich zum Polizeiarzt, der wollte mich dann auf Kur schicken. Aber dafür kam ich mir noch zu jung vor. Ich hab dann als Kompromiss nur ein paar von meinen Tausend Überstunden eingelöst. Das wurde aber wegen Mangel an Flugpersonal nicht gerade gern gesehen.
Das einzige, was nach einer Notlandung wirklich ganz schnell passiert ist, dass der Schuldige gesucht wird. Als Pilot wird man dann gleich angezeigt wegen „Gefährdung des Luftraumes“. Beim Luftfahrtbundesamt spricht man dann vor und erklärt, dass es sich um einen technischen Defekt gehandelt hat, was nicht funktioniert hat und was man alles probiert hat um die Notlandung zu verhindern. Wenn alles passt geben die einem dann seinen Flugschein zurück.

Ich bin dann auch jedes mal gleich wieder geflogen. Das ist das Gleiche, wie beim Motorrad fahren. Wenn es dich mal schmeißt steigst du am besten gleich wieder drauf, sonst kann’s dir passieren, dass du nie wieder fahren willst.

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